Skip to content

Kein Vergeben – Kein Vergessen: Erinnern, Gedenken, Mahnen zum Gedenktag der Auschwitzbefreiung am 27. Januar

Januar 25, 2013

27. Januar: Gedenktag an die Befreiung von Auschwitz

Am 27.Januar 1945 wurde das KZ Auschwitz-Birkenau, das größte Vernichtungslager des Nazi-Regimes, von der Roten Armee befreit.

Bundespräsident Roman Herzog erklärte diesen Tag am 3. Januar 1996 zum offiziellen Gedenktag in der BRD.

In Israel wurde der Gedenktag schon 1959 begangen und auch in Großbritannien wurde er offiziell bereits vor seiner Benennung durch den Bundespräsidenten in Deutschland durchgeführt.

Nachdem die Generalversammlung der Vereinten Nationen bereits mit ihrer 28. Sondersitzung am 24. Januar 2005 dem, 60. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager, gedacht hatte, erklärte sie den 27. Januar während ihrer 42. Plenarsitzung am 1. November 2005 zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Seit2006 wird er weltweit begangen.

Die Judenverfolgung und -vernichtung in Bamberg

Am 24. Februar 1920 wurde das 25-Punkteprogramm der NSDAP bekannt gegeben. Der vierte Punkt dieses Programms besagte: „…4. Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksicht auf Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein. 5. Wer nicht Staatsbürger ist, soll nur als Gast in Deutschland leben und muss unter Fremdengesetzgebung stehen…“. Nach diesem Grundsatz und mit Hilfe der Nürnberger Rassegesetze von 1935 wurden in den Jahren nach der Machtergreifung der Nazis Juden und Jüdinnen systematisch verfolgt und ausgerottet.

In Bamberg wurde schon 1927 die Synagoge mit antisemitischen Parolen wie „Die Juden sind unser Todfeinde“beklebt.

Am 31. Juli 1932, dem Tag der Reichswahlen, wurde die NSDAP zur stärksten politischen Kraft im sogenannten „schwarzen Bamberg“.

Den 4. März 1933 nutzte die NSDAP und zog mit mehreren tausend Anhängern sowie zahlreichen Sympathisant_innen in einem Fackelzug zum Maxplatz. Dort forderte der Landtagsabgeortnete Lorenz Zahneisen die Leute auf, die „Partei des Führers“ zu wählen. Zum Wahlerfolg lautete der Wunsch eines Kommentators des Bamberger Tagblatts am 6. März 1933 „Dass diese Regierung in Deutschland Luft zum Leben für alle schaffen möge“.

Am 9. März 1933 hisste die NSDAP die Hakenkreuzfahne auf dem Balkon des Bamberger Rathauses. Die Menge war völlig aus dem Häuschen, als beim Zapfenstreich das Deutschlandlied erklang. Nicht nur in den Köpfen der Menschen veränderte sich etwas. Die Langestraße wurde in Adolf-Hitler-Straße umgetauft, aus dem Marienplatz wurde der Hindenburgplatz.

Der Bamberger Domreiter wurde zur Symbolfigur für den vollendeten Deutschen, der Bund Deutscher Mädchen und die Hitlerjugend wurden zum Alltag der jungen Deutschen

Am 1.Juli 1933 kamen die ersten Bamberger_innen ins KZ nach Dachau. Unter ihnen die vier Bamberger Stadträte Dennstädt, Baier, Schlauch und Grosch.

1933 lebten noch etwa 1000 jüdische Mitbürger_innen in Bamberg. Doch schon in dieser Zeit fand eine Gleichschaltung der Presse statt und jüdische Warenhäuser wurden durch die SA kontrolliert und sabotiert. So geschehen beispielsweise bei den Warenhäusern Tietz (heute Karstadt) und Rekord (bis vor kurzem Hohner). Es wurde mit einer Liste zum Boykott jüdischer Händler, Ärzte und Anwälte aufgerufen. Die Arisierung machte vor Turn- und Sportvereinen und Schulen genau so wenig Halt, wie vor der Verbrennung unliebsamer Bücher oder dem Verbot des Betretens öffentlicher Plätze durch Juden und Jüdinnen.

Die Reichskristallnacht hinerließ vom 10. auf den 11. November 1938 auch in Bamberg ihre spuren. So wurde neben einigen jüdischen Geschäften auch die 4. Synagoge, die 1910 in der Herzog-Max-Straße erbaut wurde, niedergebrannt. In dieser Nacht wurde Willy Lessing beim Versuch den Brand zu löschen angegriffen und dabei schwer verletzt. Als er sich blutüberströmt nach Hause geschleppt hat, wurde er dort aufgesucht und weiter mißhandelt. Er konnte am nächsten Tag auf Grund seiner Verletzungen nicht mit vielen weiteren Juden und Jüdinnen nach Dachau deportiert werden. Am 17. Januar 1939 erlag er seinen Verletzungen.

1939 wurden alle noch verbliebenen jüdischen Organisationen in Bamberg verboten.

Ende 1940 war die „Arisierung“ vollkommen abgeschlossen. Alle Geschäfte und das öffentliche Leben wurde in „DEUTSCHEN“ Besitz gebracht.

Am 23. Oktober 1941 erließ die Reichsregierung ein Ausreiseverbot für Juden und Jüdinnen in der Zeit des Krieges. Zu dieser Zeit wohnten noch etwa 300 von ihnen in Bamberg. Ein Großteil konnte emigrieren.

Am 27. November wurden die ersten 119 bamberger Juden und Jüdinnen nach Riga deportiert. Alle dagelassenen wurde keine Rente mehr bezahlt.

Der zweite Deportationszug fuhr am 24. März von Bamberg nach Izbica und Lublin.

Der dritte Zug führte am 25. April 12 Menschen jüdischen Glaubens in den Tod.

Weitere 70 Menschen wurden in der „Weißen Taube“ interniert und im September in das „Altersghetto Theresienstadt“ deportiert.

Am 16. Juni wurden die letzten Juden und Jüdinnen aus Bamberg nach Ausschwitz gebracht.

Dies stellte die fast vollkommene Vernichtung der jüdischen Gemeinde in Bamberg dar.

Am 21. Februar 1944 meldete die bamberger Stadtverwaltung noch „12 Juden in Mischehe“ und „26 jüdische Mischlinge ersten Grades“. 3 Frauen kehrten aus der Gefangenschaft in Vernichtungslagern nach Bamberg zurück.

Mahnung

Verfolgungen, Vertreibungen und Unterdrückung waren jedoch schon immer Begleiter der Geschichte von Jüdinnen und Juden. Sie sind keine Erscheinungen des 20. Jahrhunderts, in dem die grauenvollen Pogrome des NS-Regimes geschahen. Jüd_innen mussten immer wieder als Sündenböcke herhalten.

Auch heute sind Antisemitismus und Rassismus fest in der Mitte der Gesellschaft verankert. Darum muss der 27. Januar auch als Tag der Mahnung gesehen werden. Es reicht nicht symbolisch an einem Tag im Jahr diese gesellschaftlichen Ausgrenzungen zu thematisieren. Deshalb fordern wir alle Menschen auf sich weiterhin kritisch mit diesen Phänomenen auseinanderzusetzen und einen öffentlichen Diskurs darüber aufrecht zu erhalten.

Veranstaltungen zum 27.1.2013

Der VVN Bamberg veranstaltet am 27. Januar 2013 eine Gedenkfeier unter dem Motto „Wer des 27. Januar gedenkt, muß den 30. Januar mitdenken“ um 11 Uhr am Mahnmal auf der Unteren Brücke.

Aus der Ankündigung:

„Aus der Vergangenheit lernen – erinnern für die Zukunft!

Die historische Erinnerung an den Tag der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee fordert Konsequenzen für den Alltag heute. In den Verfassungen der Länder und im Grundgesetz sind Antifaschismus und Antimilitarismus festgeschrieben. Das Grundrecht auf Asyl, das Recht auf Arbeit, das konsequente Vorgehen gegen jegliche faschistischen Kräfte und Gruppen, das Verbot jeglicher militaristischen Propaganda und ein außenpolitisches Friedensgebot – all dies sind Bestimmungen, die zwar auf dem Papier stehen, vom politischen Alltag aber weit entfernt sind. Diese Grundbestimmungen müssen täglich immer wieder neu erkämpft werden. Der Widerstand gegen rassistische, fremdenfeindliche Gewalt kann nicht den staatlichen Organen allein überlassen werden. Antifaschistisches Handeln ist deshalb mehr als eine Gegenbewegung, es ist ein „Zukunftsentwurf“ für unsere Gesellschaft.“

Des Weiteren gibt es eine Veranstaltung der israelitischen Kultusgemeinde um 14.30 Uhr in der Willy-Lessingstr. 7, Bamberg. Das Thema: „Jüdisches Bamberg – Ein Gang durch die Stadt.“ Buchvorstellung des neuen Stadtführers.

Kein Vergeben – kein Vergessen!

Gegen jeden Antisemitismus!

Für eine Gesellschaft ohne Rassismus, Ausbeutung und Unterdrückung!

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.