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Kriminalisierung von Antifaschismus auch im neuen Jahr

Januar 13, 2013

Pres­se­mit­tei­lung der Roten Hilfe:
Heute wurde vor dem Amts­ge­richt Nürn­berg er­neut ein Pro­zess gegen einen Nürn­ber­ger An­ti­fa­schis­ten wegen der De­mons­tra­ti­on am 31. März 2012 geführt. Vor­ge­wor­fen wurde dem An­ge­klag­ten, in der Sold­an­pas­sa­ge, wo eine Po­li­zei­ket­te auf De­mons­tra­tIn­nen ein­schlug, die ihr De­mons­tra­ti­ons­recht auch in der In­nen­stadt wahr­neh­men woll­ten, einen Po­li­zis­ten ge­tre­ten zu haben. Außer Schmer­zen im Un­ter­leib, die nach 15 min. ab­klan­gen, ist dem Po­li­zis­ten nichts dabei ge­sche­hen.

Trotz un­deut­li­cher Be­weis­la­ge – Der Ge­schä­dig­te und sein Kol­le­ge konn­ten nie­man­den iden­ti­fi­zie­ren – wurde der An­ge­klag­te zu 8 Mo­na­te Be­wäh­rungs­stra­fe und 150 Ar­beits­stun­den ver­ur­teilt. Mög­lich wurde die Ver­ur­tei­lung erst, nach­dem ein Be­am­ter der po­li­ti­schen Po­li­zei nach­träg­lich ge­la­den wurde, der zwar nicht vor Ort war, sich aber „100% si­cher“ war, den An­ge­klag­ten zu er­ken­nen. Auf Frage wie er das be­wer­ten könne, gab er la­pi­dar an, den An­ge­klag­ten als Flug­blatt­ver­tei­ler von Bil­dungs­de­mons­tra­tio­nen zu ken­nen.
Der­sel­be Be­am­te hatte auch in an­de­ren Ver­fah­ren hohen Be­las­tungs­ei­fer be­wie­sen und „iden­ti­fi­zier­te“ schon­mal An­ge­klag­te auf Fotos wie­der, bei denen selbst die Staats­an­walt­schaft nie­man­den er­ken­nen konn­te. Daran wird deut­lich, dass je­mand, der re­gel­mä­ßig sein Grund­recht auf De­mons­tra­ti­ons­frei­heit wahr­nimmt, schnell po­li­zei­be­kannt ist. Und dann ge­nügt die Aus­sa­ge eines Be­am­ten, der nicht ein­mal Au­gen­zeu­ge war, um eine Frei­heits­stra­fe zu ver­hän­gen.

Schließ­lich kri­ti­sie­ren Pro­zess­be­ob­ach­ter auch die hohe Stra­fe. Acht Mo­na­te für je­man­den, der nicht ein­schlä­gig vor­be­straft ist, bei einer ein­fa­chen Kör­per­ver­let­zung bei der keine Schä­den ein­tra­ten, ist über­zo­gen. Die Rich­te­rin sprach in ihrer Be­grün­dung davon, der An­ge­klag­te hätte durch sein Ver­hal­ten die Si­tua­ti­on an­ge­facht. Doch die Ge­walt in die­ser Si­tua­ti­on – das sagte im Pro­zess sogar ein Po­li­zist aus – ging zu­erst von der Po­li­zei aus. Zwar be­weg­ten sich De­mons­tran­tIn­nen jen­seits der ge­neh­mig­ten Route, um in der In­nen­stadt zu de­mons­trie­ren, die ers­ten Schlä­ge und Trit­te kamen je­doch von Po­li­zis­ten. Es kann also nicht die Rede davon sein, der An­ge­klag­te habe etwas an­ge­facht, im Ge­gen­teil hatte er nur re­agiert. Re­su­mee zieht ein Spre­cher der Roten Hilfe: „Was wir vor einem hal­ben Jahr be­fürch­te­ten, hat sich be­wahr­hei­tet. Po­li­zei und Jus­tiz haben sich in eine re­gel­rech­te Kam­pa­ge zur Kri­mi­na­li­sie­rung an­ti­fa­schis­ti­scher Ak­tio­nen 2012 ge­stürzt. Wäh­rend an­fangs die Po­li­zei-​Pres­se von einem ‘wei­test­ge­hend fried­li­chen’ Tag sprach, wur­den spä­ter immer mehr Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet, die al­le­samt mit ver­gleichs­wei­se hohen Stra­fen en­de­ten.“

Der po­li­ti­sche Wille da­hin­ter wurde heute bei einem wei­te­ren De­tail deut­lich: Der Be­am­te der po­li­ti­schen Po­li­zei sagte aus, dass es üb­lich sei, dass sich ver­letz­te Po­li­zis­ten un­mit­tel­bar nach einer Demo Ein­satz­vi­de­os an­se­hen, um dar­auf Täter zu iden­ti­fi­zie­ren. Warum der Ge­schä­dig­te dann erst am 27. Juni Straf­an­trag stell­te – fast 3 Mo­na­te nach der Demo aber 3 Tage vor Frist­ab­lauf für den An­trag– blieb un­klar. Die Rote Hilfe kün­digt an, wei­te­re Re­pres­si­on gegen An­ti­fa­schis­tIn­nen in Nürn­berg genau zu be­ob­ach­ten. Be­reits jetzt wis­sen wir von Ver­fah­ren wegen dem 01. Au­gust in Lang­was­ser, der eben­falls von skan­da­lö­sem Ver­hal­ten der Po­li­zei ge­prägt war. Die Rote Hilfe or­ga­ni­siert So­li­da­ri­tät mit allen, die auf­grund po­li­ti­scher Ak­tio­nen ver­folgt wer­den; in Nürn­berg sind das mo­men­tan häu­fig An­ti­fa­schis­tIn­nen. Skan­da­lös für eine Stadt, in der der NSU drei Men­schen er­mor­de­te und es eine ak­ti­ve Na­zi­sze­ne gibt. Aber dazu fiel den Er­mitt­lungs­be­hör­den nur ein, zur Tar­nung Dö­ner-​Bu­den zu grün­den und das Mil­lieu der Opfer zu ver­däch­ti­gen.

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