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Kein Vergeben – kein Vergessen, im Gedenken an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus am Tag der Reichspogromnacht

November 8, 2012

Die Reichspogromnacht hinerließ vom 10. auf den 11. November 1938 auch in Bamberg ihre Spuren. So wurde neben einigen jüdischen Geschäften auch die 4. Synagoge, die 1910 in der Herzog-Max-Straße erbaut wurde, niedergebrannt. In dieser Nacht wurde Willy Lessing beim Versuch den Brand zu löschen wurde er angegriffen und dabei schwer verletzt. Als er sich blutüberströmt nach Hause geschleppt hat, wurde er dort aufgesucht und weiter mißhandelt. Er konnte am nächsten Tag auf Grund seiner Verletzungen nicht mit vielen weiteren Juden und Jüdinnen nach Dachau deportiert werden. Am 17. Januar 1939 erlag er seinen Verletzungen.

Dies stellt jedoch nur einen Teil der zwischenzeitlichen Ausrottung jüdischen Lebens unter der ideologischen Rassanlehre des Nationalsozialismus in Bamberg dar.

Schon 1927 wurde die Bamberger Synagoge mit antisemitischen Parolen wie „Die Juden sind unser Todfeinde“beklebt.

1933 lebten noch etwa 1000 jüdische Mitbürger_innen in Bamberg. Doch schon in dieser Zeit fand eine Gleichschaltung der Presse statt und jüdische Warenhäuser wurden durch die SA kontrolliert und sabotiert. So geschehen beispielsweise bei den Warenhäusern Tietz (heute Karstadt) und Rekord (bis vor kurzem Hohner). Es wurde mit einer Liste zum Boykott jüdischer Händler, Ärzte und Anwälte aufgerufen. Die Arisierung machte vor Turn- und Sportvereinen und Schulen genau so wenig Halt, wie vor der Verbrennung unliebsamer Bücher oder dem Verbot des Betretens öffentlicher Plätze durch Juden und Jüdinnen.

1936 wurde der Versuch unternommen, die Gaststätte „Weiße Taube“ am Zinkwörth 17, als Begegnungsraum der jüdischen Gemeinde zu etablieren.

1939 wurden alle noch verbliebenen jüdischen Organisationen in Bamberg verboten. Ende 1940 war die „Arisierung“ vollkommen abgeschlossen. Alle Geschäfte und das öffentliche Leben wurde in „DEUTSCHEN“ Besitz gebracht.

Am 23. Oktober 1941 erließ die Reichsregierung ein Ausreiseverbot für Juden und Jüdinnen in der Zeit des Krieges. Zu dieser Zeit wohnten noch etwa 300 von ihnen in Bamberg. Ein Großteil konnte emigrieren.

Am 27. November wurden die ersten 106 Juden und Jüdinnen nach Riga deportiert. Alle dagelassenen wurde keine Rente mehr bezahlt. Der zweite Deportationszug fuhr am 24. März von Bamberg nach Izbica und Lublin. Der dritte Zug führte am 25. April weiter 103 Menschen jüdischen Glaubens in den Tod. 75 Menschen wurden in der „Weißen Taube“ interniert und im September in das „Altersghetto Theresienstadt“ deportiert. Am 17. Juni wurden die letzten 16 Juden und Jüdinnen nach Ausschwitz gebracht.

Dies stellte die fast vollkommene Vernichtung der jüdischen Gemeinde in Bamberg dar.

Am 21. Februar 1944 meldete die bamberger Stadtverwaltung noch „12 Juden in Mischehe“ und „26 jüdische Mischlinge ersten Grades“. 3 Frauen kehrten aus der Gefangenschaft in Vernichtungslagern nach Bamberg zurück.

Kein Vergeben, kein Vergessen!

Solidarität mit ALLEN Opfern rechter Gewalt!

Im Gedenken an diese schrecklichen Ereignisse findet am Freitag, den 9. November um 16.30 Uhr eine Gedenkveranstaltung der israelitischen Kultusgemeinde Bamberg am Synagogenplatz statt.

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