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Montag 2.7. Start des Protestcamps iranischer Flüchtlinge auf dem Markusplatz Bamberg

Juli 18, 2012

Heute startet das Protestcamp iranischer Flüchtlinge auf dem Markusplatz in Bamberg. Mit dieser Aktion wollen drei studentische Flüchtlinge aus dem Iran und ihre UnterstützerInnen auf die prekäre bayerische Asylpolitik aufmerksam machen und fordern eine Verbesserung dieser.

Im folgenden die Erklärung der Protestierenden:

„Crossing borders“ – vom Rand der Gesellschaft in die Mitte des Markusplatzes

 – Politische Flüchtlinge aus dem Iran starten Aufklärungs- und Protestaktion
Bamberg, 2 Juli 2012
Wir mussten unser Heimatland verlassen, weil wir uns für Menschenrechte eingesetzt haben.   Versammlungs- und Meinungsfreiheit wurden uns dort verwehrt. Um nicht eingesperrt und gefoltert zu werden, flohen wir nach Europa in der Hoffnung auf Hilfe.
Auf unseren verschlungenen Pfaden nach Deutschland waren wir der Willkür von Menschenhändlern und Regierungsvertreter/innen ausgesetzt. Mehr als einmal befanden wir uns in Lebensgefahr.
Wir ersuchten die deutsche Regierung, die auf der ganzen Welt für die Wahrung der Menschenrechte eintritt und die iranische Demokratiebewegung bestärkt hatte, um politisches Asyl.
Wir haben inzwischen ein Jahr Lagerleben in Deutschland hinter uns. Das bedeutet nie Privatsphäre zu haben, sondern auf engem Raum mit  Fremden zusammen zu leben, eintönig zu essen, was vom Amt kommt und im FallRoßdach heißt das auch, abgeschnitten von sozialen Kontakten zu leben.
In unserem „Exil“, isoliert am Rande der Gesellschaft vegetieren wir vor uns hin, versinken in Apathie und verloren manchmal den Willen zu leben.
Wir sind drei freie und weltoffene Studenten, ohne Zugehörigkeit zu oder Abhängigkeit von politischen, religiösen oder anderen Gruppen.
Wir möchten wieder ein „normales“ Leben führen können – ohne Angst um Leib und Leben, als Teil einer Gesellschaft, die Verfolgten Zuflucht gewährt und zu der auch wir etwas beitragen können und möchten.
Deshalb wollen wir eine Verbesserung der Lebensbedingungen aller Asylsuchenden, insbesondere in Bayern, erreichen.
Deshalb haben wir uns für diesen Protest entschieden – nicht gegen, sondern mitten in der Gesellschaft und im Dialog mit ihr, um die Menschen auf die Situation von Flüchtlingen in ihrem Land aufmerksam zu machen.
Wir fordern die Verantwortlichen dazu auf, einschneidende Veränderungen in der Asylpolitik vorzunehmen, sodass allen, die in diesem Land Schutz suchen, für die Dauer ihres Asylverfahrens ein menschenwürdiges Leben ermöglicht wird.
Dazu soll unser Protest dienen: Friedlich und gewaltlos, aber entschlossen.
Deshalb fordern wir:
1. Die Beschleunigung des Asylverfahrens für alle Asylbewerber/innen. In der Verwaltung muss zudem für mehr Transparenz im Verfahren und klare, nachvollziehbare Verantwortlichkeiten gesorgt werden. Den Asylbewerber/innen muss die Möglichkeit gegeben werden, sich selbständig um ihr Asylverfahren kümmern zu können, dafür     brauchen sie ausreichend rechtliche Beratung und kompetente Übersetzer/innen.  Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen über Jahre hinweg in einem perspektivlosen und entmündigenden Schwebezustand gelassen werden, der sie notwendigerweise in die  Verzweiflung, ja sogar zu Selbstmordgedanken und tatsächlich ausgeübtem Suizid treibt.
2. Bewegungsfreiheit ohne Einschränkungen für Asylbewerber/innen, damit die Möglichkeit besteht, an gesellschaftlichen und gemeinschaftlichen Prozessen beteiligt zu sein, Freundschaften aufzubauen und die deutsche Kultur kennenzulernen.
3. Eine Arbeitserlaubnis für Asylbewerber/innen. Statt von Sozialleistungen zu leben, wollen auch wir nützliche Mitglieder der Gesellschaft sein. Wir möchten unsere Fähigkeiten und Ausbildung einbringen, sind aber zur Untätigkeit verdammt.
4. Um die Fähigkeit zur Verständigung und die Integration der Asylbewerber/innen zu verbessern, fordern wir staatlich finanzierte Deutschkurse sowie Zugang zu Ausbildung und Studium.
5. Dass die Unterbringung von Asylbewerber/innen in abgelegenen Gebieten weitab von Städten beendet wird.Die Lebensbedingungen in den Lagern müssen sich verbessern, insbesondere die Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel. Der Aufenthalt in solchen „Gemeinschaftsunterkünften“ muss auf einen Minimalzeitraum beschränkt werden, wie es in einigen Bundesländern bereits praktiziert wird.
6. Wahlfreiheit für unsere Lebensmittel und Bekleidung. Wir sind mündige Menschen mit individuellen Bedürfnissen. Die dumpfe Wiederholung des ewig gleichen, fertig abgepackten Essens  nimmt uns selbst noch in diesem Bereich die Möglichkeit zur Selbstbestimmung. Wir fordern, Sachleistungen durch Geldleistungen zu ersetzen.
Unsere Forderungen entsprechen den Menschenrechten und den Ideen des Humanismus. Deshalb haben wir die deutsche Regierung und alle Institutionen und Organisationen, die im Bereich der Asylpolitik aktiv sind, um Hilfe und Unterstützung gebeten.
Vielen Dank!
Alle Menschen sind herzlichst eingeladen sich vor Ort zu informieren und ihre Solidarität auszudrücken.
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