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Coburger Convent 25.-29. 5. 2012: Studentische Verbindungen auflösen!

Mai 22, 2012

Aktiontage gegen den Coburger Convent 2012

 

Jedes Jahr zu Pfingsten trifft sich der größte pflichtschlagende Dachverband in Coburg. Dazu kommen 5000, ausschließlich männliche, Verbindunsstudenten um sich öffentlich zur „geschichtlichen und geistigen Gemeinschaft der Deutschen“ zu bekennen und um den Pfingstkongress des Coburger Convents (CC) zu zelebrieren. Vor Ort gedenken sie den, in den Weltkriegen gefallenen Verbandsbrüdern, marschieren die historische SA-Route mit Fackeln ab und feiern im Anschluss in schauriger Einigkeit mit Teilen der Lokalbevölkerung und Neonazis “Ehre, Freiheit, Freundschaft, Vaterland”.

In den vergangen Monaten hat die Kritik an Studentenverbindungen mehrmals eine breitere Öffentlichkeit erreicht. Auslöser dafür waren Skandale innerhalb der stramm rechten Deutschen Burschenschaft (DB). Kurz nach Pfingsten stellte die Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn einen Antrag, auf Ausschluss der Verbindung Hansea Mannheim. Der Grund dafür war, dass diese einen chinesisch-stämmigen Studenten in ihre Reihen aufgenommen hatte. Obwohl er in Mannheim geboren wurde und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, gehört er für den rechten Rand der DB nicht zum „deutschen Volk“. Seine Gesichtszüge und sein kulturelles Erbe würden den Dachverband „überfremden“. Knapp drei Monate später wurde versehentlich der rassistische Humor, der in dem Verband gepflegt wird publik. Von einer jüdischen Weltverschwörung war ebenso die Rede, wie von Pogromen und Lynchjustiz an „Negern“, die man plane. Diese Skandale sind keine Einzelfälle sondern lediglich konsequenter Ausdruck völkischer Ideologie. Ungewöhnlich an den Vorfällen ist also nur, dass sie öffentlich diskutiert wurden. Wegen dem schlechten Licht, in dem die Burschenschaften seit dem stehen, sah sich auch der CC genötigt, von den Burschenschaftlern Abstand zu nehmen. So hat sich der CC vergangenen Herbst aus dem Vorstand des Convents Deutscher Akademikerverbände (CDA) zurückgezogen. Im CDA sind fast alle Altherrenverbände der Korporationsdachverbände zusammengeschlossen. Hier trafen sich also auch „unpolitische“ CCler mit waschechten Nazis von der Burschenschaftlichen Gemeinschaft. In den lokalen Waffenringen tun sie das noch immer, auch waren jedes Jahr Burschenschaftler der DB zu Pfingsten in Coburg. Mann kennt sich.

Auch wenn sich der CC inzwischen von der DB distanziert, ist damit noch nichts gewonnen. Man muss anscheinend schon Rassenkundler sein, um für den CC als Persona non grata zu gelten. Denn der CC zeigt in der Regel keine Berührungsängste zur extremen Rechten. Auf einer Verbandstagung durfte z.B. der Autor des rechten Internetportals „Blaue Narzisse” Christoph Rothämel als Referent sprechen. Intensive Verbindungen gibt es ebenso zur Wochenzeitung „Junge Freiheit“, die als Bindeglied zwischen Konservativen und extremer Rechter fungiert. Auch mit einer Mitgliedschaft von Verbandsbrüdern in der NPD hat der CC immer noch kein Problem.
Zudem trifft das Gros der Korporationskritik auf den CC ebenso zu, wie auf die DB. Der volkstumsbezogener Vaterlandsbegriff des CC und sein sexistisches Weltbild, welches sich in einem äußerst konservativen Geschlechterbild und nicht zuletzt im konsequenten Ausschluss von Frauen niederschlägt, finden sich ebenso bei der DB. Die korporierte Erziehung reproduziert die im Kapitalismus immanente Konkurrenz und hilft den Korporierten diese zu verinnerlichen.
Der CC gibt sich als Verband gerne unpolitisch. Das ist jedoch glatt gelogen. So bestand die Rede beim letztjährigen Fackelmarsch in Coburg aus einem einzigen Appell an die deutsche Politik, möglichst hart und entschlossen zu sein und nicht vor zivilgesellschaftlichen Protesten beim Bahnhofsbau in Stuttgart zu kuschen und an der Atomenergie, trotz Fukushima festzuhalten. Sie solle sich also am besten so verhalten, wie der CC: Althergebrachtes nicht hinterfragen, sondern in Altherrenmanier daran festhalten und mit dieser Haltung, den anderen EU-Staaten zeigen, wo der Säbel hängt. Der Aufruf sollte nicht zuletzt auch die eigenen Reihen aktivieren, diese Politik durchzusetzen.

Die Politik des CC ist großdeutsch und beschränkt sich nicht auf die Bundesrepublik. Den Vorsitz des diesjährigen WKR-Balls in Wien, hatte eine österreichische CC-Verbindung namens Akademische Grenzlandgemeinschaft Cimbria zu Wien inne. Diese ist eines der besten Beispiele, was der CC mit unpolitisch meint. Nicht nur das die Cimbria am Tag der Auschwitz-Befreiung ein deutsch-nationales Fest mit politischen Größen der europäischen Rechten feiert. Sie wurde auch bekannt durch personelle Überschneidungen mit der nationalsozialistischen Volkstreuen Außerparlamentarischen Opposition (VAPO – seit 1990 verboten). Zudem übernimmt die Cimbria in Österreich gerne die Anmeldung von faschistischen Veranstaltungen, wie z.B. eine Demonstration gegen eine Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht oder ein Neonazikonzert im Burgenland.

In Wien allerdings, wurde die Stadt durch den immer größeren Protest gezwungen, den WKR-Ball nicht mehr in der Hofburg stattfinden zu lassen. In Coburg dagegen macht man keinen Hehl daraus, dass man sich an den Protestierenden und nicht von den völkischen Verbindungen stört und überlässt ihnen weiterhin Markt und Rathaus und feiert mit ihnen untermalt von militärischem Tamtam.

Auch die örtlichen Nazis fühlen sich im nationalistischen Getümmel des Pfingstkongresses richtig aufgehoben und geborgen. In Coburg haben diese Hochkonjunktur und innerhalb kürzester Zeit bildeten sich neben der NPD-Ortsgruppe zwei weitere extrem rechte Gruppierungen, die in Coburg offen auftreten können. Offensives und aggressives Auftreten zu Pfingsten haben die Nazis schon vor Monaten angekündigt. Mit ihrer Hetze vor der „linken Gefahr“ sind sie in Coburg nicht isoliert, sondern der Lokalpresse nur zeitlich voraus.
Das selbstbewusste Auftreten ist nicht verwunderlich. Diese Entwicklung ist logische Folge der städtischen Politik. Mit allem Mitteln wird seit jeher versucht antifaschistischen Strukturen das Leben schwer zu machen. So wurde beispielsweise die lokale antifaschistische Jugendgruppe nach, aus der Luft gegriffenen Behauptungen des bayrischen Verfassungsschutzes aus ihrem Büro im Jugendzentrum geworfen.

Doch wir lassen uns davon nicht beeindrucken. Nicht zuletzt deswegen sollte man zu Pfingsten in Coburg solidarisch sein, den Landsmannschaften und ihren Nazi-Sympathisant_innen das Wochenende versauen und die rechte Hegemonie kippen. Studentische Verbindungen waren, sind und bleiben ein Hindernis auf dem Weg zur befreiten Gesellschaft. Auch der von uns auf die Straße getragenen Kritik ist es zu verdanken, dass sich die Dachverbände wenigstens in Ansätzen voneinander distanzieren und dass beim Thema Korporationen genauer hingesehen wird, was letztenendes auch die Skandale bei der DB beförderte.

Elitäre Kräfte in die Krise stürzen!
Sexistische Männerbunde zerschlagen!
Deutsch-Nationale Feste zum Trauerspiel machen!

Jetzt erst recht: Studentische Verbindungen auflösen!

25.-29. Mai 2012 Coburg
28.Mai 2012 | 09:00 | Coburg | Kundgebung gegen das Heldengedenken
28.Mai 2012 | 14:00 | Coburg | Demonstration Jetzt erst recht: Studentische Verbindungen auflösen!.
28.Mai 2012 | 22:00 | Coburg | Aktionen gegen den Fackelmarsch

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